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Gefährliche Orte

Über die stadtpolitische Lokalisierung der Corona-Krise in Göttingen und Berlin

Louisa Bäckermann, Peter Birke

In diesem Beitrag diskutieren Louisa Bäckermann und Peter Birke den lokalen staatlichen Umgang mit COVID-19-Masseninfektionen in sogenannten sozialen Brennpunkten: Ausgewertet wird die Medienberichterstattung über zwei Fälle in Göttingen und einen Fall in Berlin (Neukölln). Der Beitrag wird durch eine kritische Perspektive kontextualisiert, die erstens nach der Bedeutung von Gentrifizierungsprozessen und „kleinräumiger Polarisierung“ in Bezug auf die untersuchten Fälle fragt, und zweitens diskutiert, inwiefern sich dies mit einem strukturellen Rassismus verbindet. Der Text wirft dabei (zum Weiterdiskutieren) grundlegende Fragen zur Stadtpolitik unter dem Eindruck der Pandemie auf, die noch wenig bearbeitet wurden. Die Autor*innen fragen am Ende auch nach der Bedeutung linker, kritischer stadtpolitischer Initiativen, wie sie vor allem in der Solidaritätskampagne für die „Groner 9“ in Göttingen zum Ausdruck gekommen sind.

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#ZeroCovid – Das Ziel heißt Null Infektionen! Für einen solidarischen europäischen Shutdown

Im Folgenden dokumentieren wir den Aufruf der Kampagne ZeroCovid – Das Ziel heißt Null Infektionen! Für einen solidarischen europäischen Shutdown, weil wir ihn in der aktuellen Situation für einen wichtigen Impuls hin zu einer solidarischen Bekämpfung der COVID-19-Pandemie halten.

Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Teilnahme an der Kampagne findet ihr auf zero-covid.org

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Über Möglichkeiten und Herausforderungen sozial-ökologischer Transformation in der Corona-Krise

Alina Brad, Ulrich Brand und Mathias Krams

Sowohl die Corona-Krise als auch die Klima-Krise haben viel mit der kapitalistisch organisierten Aneignung der Natur zu tun. Die globalisierte, auf Wachstum und enormen Natureingriff basierende Produktions- und Lebensweise wird zwar punktuell auch im herrschenden Diskurs thematisiert. Doch die Grundmuster dieser Art zu wirtschaften werden kaum in Frage gestellt. Dennoch werden immer wieder Ansatzpunkte für emanzipatorische sozial-ökologische Transformationen sichtbar und sollten durch politische Initiativen und kritische Wissenschaft sichtbar gemacht werden.

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Ich, das Corona-Virus

von Lisa Kamphaus

„Epidemic diseases are not random events that afflict societies capriciously and without warning […] Every society produces its own specific vulnerabilities. To study them is to understand that society´s structure, it’s standard of living, and it´s political priorities” (Snowden 2019).

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Polizei, Protest und Pandemie in Frankfurt am Main

Maike Wäscher, Denise Siemer, Stefka Schmid, Julia Karl

Unser Beitrag beleuchtet das Polizieren von Protesten seit Beginn der COVID-19-Pandemie in Frankfurt am Main. Aus der Perspektive materialistischer Staatskritik argumentieren wir erstens, dass die Auflösung der Seebrücken-Demonstration durch die Frankfurter Polizei im April 2020 als ein kurzes Aufblitzen und Einüben des Ausnahmestaats im Normalstaat zu verstehen ist, bei dem die Polizei ihren erweiterten Ermessenspielraum ausreizte. Zweitens ließ sich in den darauffolgenden Wochen beobachten, dass die rechten sogenannten „Hygienedemos“ weniger repressiv als progressive Versammlungen poliziert wurden. Dies führen wir auf die extremismusideologische behördliche Deutung der Proteste zurück, die nicht nur blind ist für Autoritarismus durch Staatsapparate, sondern damit einhergehend systematisch die extreme Rechte verharmlost.

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Update zum Monitor: Schlussstrich Pad & der Blog geht weiter

Liebe Interessierte Nutzer*innen und Leser*innen des Corona Monitor,

nachdem wir Ende März das Pad den Corona Monitor ins Leben gerufen haben, haben sich viele daran beteiligt und Ereignisse und Analysen gesammelt und eingetragen. Dabei ist eine beachtliche Menge an Daten entstanden, die auf der Website www.coronamonitor.noblogs.org Teile des massiven gesellschaftlichen Bruchs durch die Pandemie nachzeichnet.
„Ende der kollektiven Datensammlung im Pad“

Seit einigen Wochen ist die in den Frühlingsmonaten des Jahres rege Nutzung des Pads abgeebbt – wir deuten das auch als Zeichen dafür, dass die rasche Dynamik der Entwicklungen (vorerst) abgeflacht ist. Als Redaktion des Pads sahen wir unsere Rolle vor allem darin die Inhalte zu ordnen und aufzubereiten, eine Ressource bereitzustellen, die schnellen Entwicklungen seit Ende März verständlich zu machen und einen kollektiven Rechercheprozess zu ermöglichen. Es war auch ein Experiment, wie Monitoring als Praxis funktionieren kann, um kollektiv Wissen zusammenzutragen und für Analysen und Initiativen verfügbar zu machen.

Mittlerweile ist die Phase des Sammelns ausgelaufen und in eine Phase der Auseinandersetzung und des Verfassens gezielter Blogbeiträge übergegangen. Deswegen erklären wir die Sammlung mit dem euch bekannten Pad für beendet. Alle Beiträge werden auf der Website und Zotero-Datenbank archiviert, die Inhalte im Pad werden in den nächsten Tagen gelöscht. Die Website, auf der chronologisch Artikel zu verschiedenen Themen im Zeitraum von Mitte März bis Ende Mai zu finden sind, dient weiterhin als Grundlage für Recherchen. Den Zugang zur Zotero-Datenbank stellen wir euch gerne weiterhin zu Verfügung: Schreibt dafür einfach eine Mail an: coronamonitor@posteo.de.

Wie beschrieben, war dies auch ein Experiment der Zusammenarbeit und Wissensteilung sowie eine Strategie, mit den sich überschlagenden Ereignissen umzugehen. Wenn ihr uns mitteilen möchtet, wie ihr das Monitoring empfunden habt, welche Kritikpunkte oder Verbesserungsvorschläge es gibt, schreibt uns gerne! Eine Fortführung der kollektiven Wissenssammlung ist noch nicht geplant, aber zu einem anderen Zeitpunkt denkbar, wir sind offen für Vorschläge.
„Der Blog geht weiter“
Auch wenn die Geschwindigkeit von Ereignissen vorerst abgenommen hat, sind die gesellschaftlichen Auswirkungen für die Menschen auf verschiedene Weisen einschneidend spürbar. Der Blogbereich auf der Website soll daher weiterhin als Plattform dienen, aus einer gesellschaftskritischen Perspektive auf soziale Ungleichheiten, Diskriminerungen und autoritäre Praxen aufmerksam zu machen, die durch Corona verschärft, aber auch sichtbarer wurden. Auch die Diskussion emanzipatorischer Umgangsformen möchte der Blog diskutieren. Bisher sind folgende Beiträge erschienen, auf die wir an dieser Stelle nochmals aufmerksam machen wollen:
Solidarity first. Really? How COVID-19 affects detention and deportation regimes across Europe – Transnational Collective against Deportations (23.04.2020)
Solidarität in pandemischen Zeiten. Ein Gespräch.– Martin Thiele und Klemens Ketelhut (24.06.2020) 

Wir freuen uns weiterhin über Beiträge, die konkrete wie einordnende Perspektiven auf unterschiedliche Themen in Zeiten der Krise einnehmen, die kritisch auf aktuelle politische Entscheidungen blicken und emanzipatorische Initiativen diskutieren. Schickt uns gerne eure Aufschläge oder fertigen Texte an unsere Mailadresse.

Zu unserem zukünftigen Vorgehen als Redaktion: Wir werden uns monatlich treffen, um eingegangene Beiträge zu diskutieren und nach Absprache auf dem Blog zu veröffentlichen. Die monatliche Frist für die Einreichung von Beiträgen ist jeweils der 7. Tag des Monats, anschließend erfolgt zeitnahes Feedback & die Veröffentlichung. Außerhalb dieses Zeitfensters kann es etwas dauern, bis wir uns mit Feedback zurückmelden.

Wir freuen uns auf eure Beiträge und Hinweise sowie Kritiken!
Viele Grüße
Das Redaktionskollektiv des Corona Monitor

Nachbarschaftliche Solidarität in der Krise?

Die Frage nach transformativem Potenzial von Nachbarschaftshilfe am Beispiel einer aktivistischen Fallstudie im Leipziger Osten

Leon Rosa Reichle

Der folgende Beitrag ist ein Plädoyer dafür, kritische Forschung zur aktuellen Coronakrise für praktische Intervention einzusetzen. Am Beispiel einer Fallstudie in Leipzig und dem Leipziger Osten wird ein solcher Versuch anhand der Beobachtung von Corona Nachbarschaftshilfe, ihrer kritischen Reflexion und der Frage nach ihrer transformativen Anschlussfähigkeit nacherzählt. Dafür untersuche ich Interviews mit Nachbarschaftsinitiativen und Mieter:innen auf urbane Beziehungsweisen und Trennungen und berichte von aktivistischen Interventionsversuchen. Schließlich plädiere ich im Sinne kritischer Forschung für ein situiertes Alltagsverständnis, welches sich nicht in optimistische vs. pessimistische Analysen auflöst, sondern Ansatzpunkte für aktives Einmischen sucht.

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Oben rechts #InZeitenVonCorona – Institutioneller Rassismus, exklusive Solidarität und die Pandemie

Eine Momentaufnahme aus Mecklenburg-Vorpommern

von Cindy Hader

AnkER-Zentren versinnbildlichen nicht nur Politiken der Exklusion, sondern schaffen ebenfalls Orte, an denen die Erfahrung von institutionellem Rassismus das Alltägliche prägt. Altbekannte Probleme der Massenunterbringung – rechtswidrige Praktiken, Isolation, mangelnde Gesundheitsversorgung – werden in pandemischen Zeiten wie durch ein Brennglas verschärft und offengelegt. Dieser Beitrag widmet sich zwei Lagern in Mecklenburg-Vorpommern und zeichnet in einer kurzen Chronologie nach mit welchen Aktionen Bewohner*innen und Unterstützer*innen in Zeiten von Corona bessere Unterbringungsbedingungen zu erstreiten und verschärfte Rassismen zu bekämpfen versuchen. Das Augenmerk liegt dabei nicht nur auf der medialen Repräsentation migrantischer Kämpfe, sondern auch auf den Auswirkungen staatlicher Pandemie-Bekämpfung auf die solidarische Praxis.

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Wie die Corona-Pandemie die Macht der Meinungsmache beweist

Und wie gefährlich das für unsere Demokratie ist 

Stefan Matern

Anhand des Vaters der Public Relations, Edward Bernays (1891-1995), und des wohl einflussreichsten Publizisten des 20. Jahrhunderts in den USA, Walter Lippmann (1889-1974), wird das Spannungsverhältnis zwischen Wissenschaft, PR und Propaganda in der Corona-Pandemie nachgezeichnet. Das Fallbeispiel der Gangelt-Studie und die daraus resultierende Diskursverschiebung, bestärkt durch die manipulativen Situationsdefinitionen von Verschwörungsmythen, sowie die fehlerhafte Wahrnehmung von Mehr- und Minderheiten, illustriert dabei die Gefahr für die Demokratie.

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Bio-Macht, Staatsrassismus und unterworfenes Wissen in Zeiten von COVID-19

Çağan Varol

Nach einer kurzen theoretischen Einführung des Bio-Macht-Konzepts und der Rassismusanalyse von Michel Foucault, wird im Artikel auf Praxisbeispiele eingegangen, die sich in den letzten Jahren und vor allem während und kurz vor der Pandemie ereignet haben, wie das Massaker von Hanau und die Ermordung von George Floyd. Auch werden andere lokale Ereignisse angesprochen, um die Dis-/Kontinuitäten in der Wahrnehmung von Rassismus zu verdeutlichen. Die Covid-19-Pandemie hat zusätzlich dazu beigetragen, dass sich die Situation der marginalisierten nochmals verschärft hat.

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