Nachbarschaftliche Solidarität in der Krise?

Die Frage nach transformativem Potenzial von Nachbarschaftshilfe am Beispiel einer aktivistischen Fallstudie im Leipziger Osten

Leon Rosa Reichle

Der folgende Beitrag ist ein Plädoyer dafür, kritische Forschung zur aktuellen Coronakrise für praktische Intervention einzusetzen. Am Beispiel einer Fallstudie in Leipzig und dem Leipziger Osten wird ein solcher Versuch anhand der Beobachtung von Corona Nachbarschaftshilfe, ihrer kritischen Reflexion und der Frage nach ihrer transformativen Anschlussfähigkeit nacherzählt. Dafür untersuche ich Interviews mit Nachbarschaftsinitiativen und Mieter:innen auf urbane Beziehungsweisen und Trennungen und berichte von aktivistischen Interventionsversuchen. Schließlich plädiere ich im Sinne kritischer Forschung für ein situiertes Alltagsverständnis, welches sich nicht in optimistische vs. pessimistische Analysen auflöst, sondern Ansatzpunkte für aktives Einmischen sucht.

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Oben rechts #InZeitenVonCorona – Institutioneller Rassismus, exklusive Solidarität und die Pandemie

Eine Momentaufnahme aus Mecklenburg-Vorpommern

von Cindy Hader

AnkER-Zentren versinnbildlichen nicht nur Politiken der Exklusion, sondern schaffen ebenfalls Orte, an denen die Erfahrung von institutionellem Rassismus das Alltägliche prägt. Altbekannte Probleme der Massenunterbringung – rechtswidrige Praktiken, Isolation, mangelnde Gesundheitsversorgung – werden in pandemischen Zeiten wie durch ein Brennglas verschärft und offengelegt. Dieser Beitrag widmet sich zwei Lagern in Mecklenburg-Vorpommern und zeichnet in einer kurzen Chronologie nach mit welchen Aktionen Bewohner*innen und Unterstützer*innen in Zeiten von Corona bessere Unterbringungsbedingungen zu erstreiten und verschärfte Rassismen zu bekämpfen versuchen. Das Augenmerk liegt dabei nicht nur auf der medialen Repräsentation migrantischer Kämpfe, sondern auch auf den Auswirkungen staatlicher Pandemie-Bekämpfung auf die solidarische Praxis.

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Solidarity first. Really?

How COVID-19 affects detention and deportation regimes across Europe

This text was written by the „Transnational Collective against Deportations“. The collective consists of People from Denmark, Germany, Switzerland, France and Italy. You can contact us via mail: tra@immerda.ch

The corona pandemic is plunging countries around the globe into an economic crisis and a crisis of public health – the virus is affecting the whole world. Despite its global scale, states and their governments are seeking national responses. In Europe, the pandemic has pushed on the one hand solidarity and prioritization of public health, but on the other hand the restrictions on social life, freedom of movements and public liberties. In many countries the right to gather and to protest has been infringed by these new policies and we can observe authoritarian tendencies in the implementation of the measures taken. Often it is pointed out that the corona pandemic affects all of us. However, the corona crisis as well as the consequences of the reactions towards it are socially differentiated and thereby often catalyze pre-existing discriminations and exclusions. This pandemic not only sheds light on the degrading conditions in prisons and detention centers even in normal times, but also makes evident the ugliest face of EU states’ containment, detention and expulsion policies. States have made a choice over which bodies are worth protection and healing and which are excluded from prevention, let alone care.

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